Das Welterbe-Label der UNESCO ist nicht nur eine Auszeichnung für Kulturerbe-Stätten, sondern auch ein Symbol für deren kulturelle und historische Bedeutung auf globaler Ebene. Dresdens Elbtal, einst stolzer Träger dieses prestigeträchtigen Labels, verlor die Auszeichnung vor nunmehr fast zwei Jahrzehnten. Man muss jedoch die Frage aufwerfen, ob Dresden nicht versuchen sollte, das Label zurückzugewinnen. Mehr noch – es könnte für seinen Hofstall mit Stallhof die erste Doppel-Einschreibung als Welterbe und als Ort der Ausübung einer immateriellen Kulturerbe-Tradition beantragen.
Die UNESCO-Listen
Es gab keinen Ritter ohne Pferd und keinen König ohne Kavallerie. Kein anderes Tier hat die Geschichte der Menschheit gleichermassen beeinflusst wie das Pferd.
Die UNESCO-Welterbeliste [1.1] enthält daher bereits zahlreiche Stätten der reiterlichen Tradition, wie die Cavallerizza Reale in Turin (Italien), die Reithallen in den tschechischen Schlössern von Český Krumlov, Valtice und Lednice und in der Burg Budapest in Ungarn, um nur einige zu nennen.
Auch die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO [1.2] ehrt Reitertraditionen, wenn auch noch in disparater Weise. So sind die Akhal-Teke und die Lipizzaner Pferdezucht eingetragen, aber (noch) nicht die Andalusische oder Lusitanische Zucht bzw. Reitweise (letztere steht dieses Jahr zur Eintragung an). Die Reitkunst der Spanischen Hofreitschule und der französischen Tradition sind mit ihren Bauten in Saumur und in Wien geschützt.
Die deutsche Nationalkommission hat nunmehr die klassische Reitkunst in Deutschland in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen – Voraussetzung, um sie der UNESCO-Kommission zur offiziellen Eintragung vorzulegen.
Hier soll eine Lanze für diese Einschreibung mit Fokus auf Dresden gebrochen werden. Es wird dabei vorgeschlagen:
- den Dresdner Hofstall mit Stallhof als Ort des Beginns der klassischen Reitkunst in der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes (Konvention von 2003) zertifizieren zu lassen.
- die Einschreibung des Dresdner Hofstalls und Stallhofs, sowie der damit verbundenen Gestüte (Bleesern, Moritzburg, Merseburg und Graditz) als Kulturlandschaft in die UNESCO-Welterbe-Liste (Konvention von 1972) zu beantragen.
Die Gründe liegen darin, dass die Rolle von Dresden in der Entwicklung der Reitkunst und der Museen geschichtlich weit grösser ist als im Allgemeinen bekannt. Dresdens Hofstall und Stallhof:
- waren entscheidend in der Entwicklung der klassischen Reit-Kunst,
- waren mit ihren 128 Pferden und deren Ausstattung eins der ältesten Museen der Welt, wenn nicht das älteste (1560/1586),
- umfassen den einzigen erhaltenen Turnierplatz der Renaissance,
- besassen ein Reithaus, das das erste der Welt war (1618),
- beherbergten in dem 1549 auf Neapolitaner-Blut begründeten sächsischen Warmblut eine der ältesten Barockrassen der Welt.
Die Klassische Reitkunst
Die ‚Klassische Reitkunst‘ ist nicht deutsch, französisch oder österreichisch. Dies hindert nicht die Einschreibung dieser Kunst in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO für Frankreich, Österreich oder Deutschland. Die UNESCO-Liste beabsichtigt, die Ausübenden zu ermutigen und die Tradition zu schützen. Die Einschreibung wird jedoch oft fälschlich als eine Art Monopolisierung verstanden.
Machen wir uns die Zusammenhänge klar:
Die Ursprünge der sogenannten ‚klassischen‘ Reitkunst liegen im 16. Jahrhundert. Obwohl die Menschheit bereits über Jahrtausende geritten war, wurde die heutige Dressurmethode in diesem Moment entwickelt. Sie entstand durch die länderübergreifende Weitergabe von Wissen und Können auf den Schlachtfeldern Europas in den Italienkriegen, Hugenottenkriegen und im Schmalkaldischen Krieg. Beteiligt waren griechische Stradioten, deutsche Reiter, ungarische Husaren, Spanier und Italiener.
Der Grund des Wandels lag in einer Reihe von Veränderungen im militärischen Bereich, die die Bedeutung des Pferdes und der Kavallerie als ‚brutale Angriffsmasse‘ in der Schlacht verringerten, aber deren Wert als Symbol des Adels und als wendiges Angriffswerkzeug erhöhten. Bereits in der Schlacht von Agincourt im Jahr 1415 hatte der Einsatz des Langbogens durch die englischen Bogenschützen die Verwundbarkeit der französischen Ritter gezeigt. Das anschließende Aufkommen der in Deutschland erfundenen Radschlosspistole besiegelte den drastischen Rückgang des taktischen Werts der schweren gepanzerten Kavallerie. Zudem wechselte man von der ritterlichen schweren Lanze zum leichten Schwert.
Es kam zur Änderung in Sitz, Benehmen und Haltung der Reiter und einer veränderten, tiergerechteren Ausbildung des Pferdes.
Während die Rolle der Italiener oft übertrieben dargestellt wird, hatten sächsische Reiterregimenter (die Schwarzen Reiter) und die sächsischen Kurfürsten eine entscheidende Rolle in diesem Prozess. 1528 wurde bei der Belagerung des spanisch-besetzten Neapels durch die Franzosen klar, dass es leichte Reiter brauchte und deutsche Reiter und Landknechte waren zu Tausenden dabei.
In der Folge entwickelten die Truppen von Moritz von Sachsen im Jahr 1547 in Anwesenheit von Kaiser Karl V., des Herzogs von Alba und wichtiger italienischer Fürsten wie den Gonzaga und Medici neue Reitmanöver wie das Caracollo im Umfeld der Schlacht von Mühlberg in Sachsen.
Von da an setzte sich die neue Reitweise durch. In Italien erschienen zwei beschreibende Bücher von Federigo Grisone [2] und Cesare Fiaschi [3], das erste deutsche Reitbuch von Löhneysen [4] folgte 1576, veröffentlicht in Dresden.
Während die Italiener ‚Reitakademien‘ gründeten, die trotz ihres Ruhms nur Lehr-Gesellschaften im Freien vor der Stadtmauer waren, gründete man in Dresden im Jahr 1586 den enormen Hofstall, Stallhof und wenig später das erste Reithaus der Welt.

Die herausragende Bedeutung von Hofstall und Stallhof in Dresden
Will man die deutschen reiterlichen Traditionen würdigen, muss man daher in Dresden beginnen.
Dresdens Stallhof und Hofstall aus dem Jahr 1586 inspirierten mit ihren blendenden Sgrafitti-Dekorationen, hohen Arkaden und reichen Verzierungen unzählige Nachahmer und Bewunderer. Sie waren unter den ersten in einem Wettlauf, der in diesem Moment vielerorts stattfand, wie auch in der Wiener Stallburg und im Münchner Marstall zu sehen ist.
Der Hofstall in Dresden enthielt dabei anfänglich 128 exotische Hengste (später verfünffachte sich diese Summe) in mit Gemälden verzierten Ständen, Dutzende von Pferdefiguren und Schlitten und im ersten Stockwerk eine prächtige Rüstkammer.
Mit diesem Ensemble Pferde & Rüstungen schuf man das älteste Museum der Welt, das die schon bestehende Kunstkammer des Kurfürsten von 1560 vervollkomnete. Zum ersten Mal gestattete man Besuchern in geführten Touren Zugang zu den Besitztümern des Herrschers. Und man zeigte als Mittelpunkt von Prunk und Parade die Pferde.
Der Stallhof und das daneben liegende Reithaus von 1618 waren zudem die Inkarnation des Übergangs von der ritterlichen Turnierreiterei zur klassischen Reitkunst. Während die Kurfürsten noch die letzten Turniere ritten, übten sie bereits nebenan Zirkel und Passagen.
Auch wenn dies teils behauptet (aber nie bewiesen wird) gab es weder in Italien noch in Frankreich vorher die Einrichtung eines geschützten Reitplatzes oder gar Reithauses. Noch Pluvinel, Reitlehrer Ludwig XIII., ritt in einem abgetrennten, ephemeren Platz in den Tuileriengärten, der bei seinem Tod ohne Spur verschwand.
Die bahnbrechenden Entwicklungen in Dresden erfolgten auch, da es im 16. Jahrhundert Hauptstadt einer gerade erst entstandenen (und schon wenig später wieder geschwächten) Weltmacht war. Sein Herrscher Moritz von Sachsen hatte Kaiser Karl V. 1549 über die Alpen gejagt und zum Abdanken gezwungen. Sachsen war damals auf dem Höhepunkt der Macht. Erst der 30-jährige Krieg unterbrach die kaum begonnene Blütezeit.
Die Entwicklung der Pferdezucht im Sachsen der Renaissance
Die sächsischen Fürsten besaßen dabei wie wohl alle mittelalterlichen Herrschaftshäuser Marställe und Gestüte. Im sächsischen Bleesern bei Wittenberg ist jedoch sogar das älteste überdauernde Gestüt der Welt erhalten. Es datiert aus dem Jahr 1449. Die Entwicklung der Reitkunst ging mit der Gründung von Rassen Hand in Hand und auch hier ging Sachsen mit der Zucht des barocken Sächsischen Warmbluts voran.

Kurfürst Moritz von Sachsen wurde am 9. Juli 1553 in der Schlacht von Sievershausen von hinten erschossen. Seine Ritterrüstung ist noch heute mitsamt dem Einschussloch in der Dresdner Rüstkammer zu sehen. Keiner wusste daher besser um die Rolle des Wandels der Nutzung des Pferdes und der Rüstungen in der Schlacht als er und Moritz‘ Bruder August, der ihm mit 27 Jahren auf den Thron folgte.
In diesem Moment gab es am sächsischen Hof bereits enge Beziehungen zu Italien. Moritz hatte aus politischen Gründen Trient, Mantua, Ferrara, Mailand und Venedig bereist. In Zuge dessen brachte er im Jahr 1549 20 Neapolitaner-Stuten mit nach Sachsen. Weitere folgten. So erhielt etwa Christian I. zur Thronbesteigung erneut 8 Stuten (diesmal von den Gonzaga).
Man gründete eine auf dem damals als Non-Plus-Ultra geltenden Neapolitaner die eigene Rasse. Eine Zeichnung zeigt einen der Sachsen im Stall des Sohnes von Karl V., Juan d’Austria.
Die Sammlung des Marstalls kann zusammen mit der Kunstsammlung des sächsischen Kurfürsten im angeschlossenen Residenzschloss aus dem Jahr 1560 den Anspruch erheben das erste echte Museum der Welt zu sein
Artequestre

Eins der Pferde, die die Gonzaga im Palazzo Te in Mantua abbilden ließen. Dieser berühmte Palast war vorhergehend Ort der Ställe der Gonzaga.
Erwähnt seien insoweit auch der später bedeutende Marstall mit Reithalle in Schloss Hubertusburg in Sachsen (1721) und die sächsisch-kurfürstlichen Gestüte neben Bleesern (1449) in Merseburg, Graditz (1686) und Moritzburg (1733).
Der Einfluss des Dresdner Marstalls und Stallhofs
Man kann den Einfluss und die Bedeutung der Entwicklungen in Dresden nicht genug unterstreichen. Sie waren kein Stall, sondern ein Palast für Pferde.
In Martin Zeilers (1589–1661) „Itinerarium Germaniae“ (Reisebericht über Deutschland, 1632), war der monumentale Marstall das erste weltliche Gebäude, das in Dresden erwähnt wird. Zeiler schreibt, es handele sich um ein „prächtiges und sehr geräumiges Gebäude“, das man wegen der Pferde und der Kunstwerke im Inneren unbedingt sehen müsse.
Im Erdgeschoss waren die Ställe mit „metallenen Löwenköpfen mit einem Zapfhahn, aus dem Wasser sprudelte“ verziert, und dort befanden sich zahlreiche „spanische, neapolitanische, ungarische, pommersche, friesische, dänische und türkische Pferde“. Jede Art stand neben ihrer eigenen Rasse,…“


Der ursprüngliche Marstall und Umbau von 1731. Der Renaissance-Giebel wurde abgebaut und ein Stockwerk hinzugefügt. Die Sgraffiti wurden von der feuchten Dresdner Elbluft zertstört. Dem trug später auch die Erschaffung des Fürstenzugs in Porzellan Rechnung. (rechts: Gravur Bodenehr)


Links: Heutige Gestaltung des Marstalls (Johanneum). Die höheren Fenster wurden eingefügt, als das Gebäude 1744 die Gemäldegalerie aufnahm. Rechts: Die restaurierte Sgraffitifassade im Innenhof des Schloss mit dem originalem Renaissance-Giebel, den ursprünglich auch der Marstall hatte.


Der balkonartige Vorbau des Dresdner Residenzschlosses, der Altan, ist viergeschossig und zuoberst mit einem Dach versehen. Den Bauschmuck ließ man sich zur Entstehungszeit etwas kosten: Aus dem italienischen Brescia reisten die Gebrüder Gabriel und Benedetto Tola an und versahen die Fassaden mittels Sgraffitotechnik mit Szenen aus Bibel und römischer Geschichte. In den Loggien des Altans entstanden farbige Fresken.

Die Darstellung der Kurfürsten und Könige Sachsens auf ihren Pferden an der Aussenseite des Stallhofs (Fürstenzug Dresden).
Zeiler erklärt, dass die oberen Stockwerke des Marstalls Waffen, Rüstungen, Sättel und Schlitten aus verschiedenen Ländern sowie Zeremonienschmuck und Exotika aus türkischen und „indischen“ Ländern (womit man häufig türkisch meinte) enthielten, die bei Turnieren und Balletten verwendet werden konnten.
Die Dresdner Ställe dienten zur Schaustellung fürstlicher Macht und waren mit einer langen, exquisit bemalten und mit Rondellen verzierten Arkade verziert, die sie mit dem Schloss verband. Es gab neben der Rüstkammer im Marstall eine separate Kunstkammer, die 1560 gegründet worden war und die sich im Inneren des letzteren befand, und den privaten Interessen des Kurfürsten August (1526–86) diente.
Zu erwähnen sind zudem die grauen italienischen Sgraffiti und der blendend schöne Altan mit vielfarbigen Fresken im nebenan liegenden Schlosshof (im Zweiten Weltkrieg zerstört, heute restauriert).
Während sie Federigo Grisone 1550 noch unbekannt sind und er beschreibt, wie man Pferde auf gepflügten Feldern vor den Toren der Stadt zureiten solle, schuf man in Dresden das erste Reithaus. Ihm folgten wenig später eines in Bückeburg (1622), auf Schloss Heidecksburg (um 1670), in Gross-Grievitz und in Berlin. Nur das Reithaus von Bückeburg wird noch immer benutzt.
Der Weg zur UNESCO-Einschreibung
Sollte die UNESCO-Einschreibung als Welterbe und immaterielles Kulturerbe angestrebt werden, gälte es, heute erneut an diese Ursprünge der deutschen klassischen Reittraditionen und den einst exzellenten, weltweit bewunderten Ruf des sächsischen Marstalls in Dresden und seiner Kunstsammlung anzuknüpfen.
So wie man Italien heute daran arbeitet, die Rasse des Neapolitaner-Pferdes neu zu kreieren, sollte dafür auch in Dresden der Versuch unternommen werden, das barocke Pferd erneut zu Ehren kommen zu lassen und die in ihren Spuren noch präsente Reitkunst der Renaissance und des Barocks wiederzubeleben.
Es könnten die folgenden Schritte angedacht werden:
- Rekonstruktion des Dresdner Hofstalls (Johanneum) und Stallhofs: Um den historischen Hofstall in Dresden von 1588 wieder in seine ursprüngliche Form zu versetzen und die Renaissance-Ära erneut aufleben zu lassen, wäre eine umfassende Rekonstruktion erforderlich. Punkte wären:
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- Rückwidmung des Gebäudes: Derzeitig wird das Johanneum durch das Verkehrsmuseum genutzt. Dieses könnte wesentlich besser und geräumiger im ehemaligen Leipziger Bahnhof untergebracht werden. Dies würde die historischen Gebäude dieses Bahnhofs wieder einer angemessenen Nutzung zuführen, einen Problem-Brennpunkt der Stadt Dresden bereinigen und eine Attraktion vor allem für Kinder schaffen. Die dort bereits eingemietete Künstlervereinigung könnte positiv zu diesem Unterfangen beitragen und einbezogen werden.
- Rekreation der alten Pferde-Stände im Hofstall im Renaissance-Stil: Durch detaillierte Forschung und Zusammenarbeit mit Fachleuten für historische Architektur könnten die alten Stände im Hofstall im Renaissance-Stil originalgetreu rekonstruiert werden. Dies würde eine sorgfältige Evaluierung der vorhandenen Strukturen und eine Wiederherstellung der authentischen architektonischen Details erfordern (erhebliche Forschungsarbeit wurde von ArtEquestre bereits geleistet.)
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- Aufstellung von authentischen und rekonstruierten Schlitten und Pferdefiguren: Um die Atmosphäre der damaligen Zeit wiederherzustellen, könnten erneut die einst im Hofstall ausgestellten historischen Schlitten und kunstvoll gestalteten Pferdefiguren ausgestellt werden. Diese Exponate könnten dazu beitragen, den Besuchern einen lebendigen Eindruck von der einstigen Pracht des Hofstalls zu vermitteln. Es wird dazu allerdings nötig sein, archivisch nachzuforschen, ob noch Bilder dieser – einst dort vorhandenen – Figuren, Gemälde oder gar Restbestände dieser Figuren und Schlitten selbst überdauern. Falls dies nicht der Fall ist, könnten historische Schlitten des 17. und 16. Jahrhundert akquiriert werden. Es sind regelmäßig Exemplare in den verschiedenen Auktionshäusern im Angebot.
- Ausstellung von Pferden im Gebäude (Lebendiges Museum): Um unter einer oder beiden UNESCO-Konvention eineschrieben zu werden und unter Berücksichtigung moderner Tierschutzstandards muss der Hofstall, nach dem Vorbild des Musee vivant du cheval in Chantilly bei Paris, wieder als Ausstellungsort für Pferde dienen. Hierfür müssten, durch eine Erweiterung der ursprünglichen Stände, ausreichende und tierfreundliche Boxen geschaffen werden. Um das Wohlbefinden der Pferde sicherzustellen, kann ein System eingeführt werden, bei dem die Pferde zwischen dem Hofstall, dem Gestüt Moritzburg oder dem Gelände des Dresdner barocken Marstalls (hinter der Semperoper) ausgetauscht werden.
- Züchterische Rekonstruktion der historischen Pferdelinie: Angesichts der derzeitigen herben tierschützerischen Kritik am Turnier-Sport und dem Erstarken der historisch-orientierten Reitkunst sowie einer geschlechtsspezifischen Umorientierung im Pferdesport (90 % Frauen) eröffnet sich ein besonderes Potential für Sachsen. Das Sächsische Schwere Warmblut ist eine kleinere, schwerere Rasse von barockem Typus. Die Rasse ist historisch fundiert und wurde bereits im 16. Jahrhundert im Equile von Stradanus erwähnt. Trotz Lücken in den Belegen im Verlauf der Blutlinien könnte eine sächsische Barocklinie ‚rekonstruiert‘ werden. Dies würde:
- die historische Relevanz der Rasse betonen;
- eine einzigartige lokale Pferderasse fördern;
- dem Land-Gestüt Moritzburg/Graditz eine bedeutende Aufgabe geben, die die Investition des Steuerzahlers in sie rechtfertigt;
- dem Bedürfnis der modernen Reiter nach einer kleineren, ausbalancierteren und verlässlichen Rasse nachkommen;
- dem Schloss Dresden als Perlen der neuen Ausstellung wertvolle, barock-ausgebildete und attraktive Pferde zur Verfügung stellen.
- Förderung der Reitkunst und Erläuterung der historischen Entwicklung der Reitkunst: Um das Interesse für die Reitkunst in der Bevölkerung zu wecken, die verschiedenen reiterlichen Traditionen museal in ihren jeweiligen historischen Kontext zu setzen, und die Reittradition zu schützen sowie einen touristischen Höhepunkt zu offerieren:
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- Könnten Vorstellungen der mittelalterlichen Reitweise (Ritter) der Reitkunst der barocken Hohen Schule im Stallhof gegenübergestellt werden, um die Bedeutung des Beitrags der sächsischen Reiterei zur Entwicklung der Reitkunst klarzumachen. Dies würde die hohe Kunst der Reiterei positiv präsentieren und der Stadt Dresden als kulturelle Bereicherung dienen. Als Vorbild kann die Académie equestre in Versailles oder die Reitakademien in Portugal (Queluz) und Spanien (Jerez) dienen.
- Angesichts der wachsenden Kritik am modernen Turniersport würde dies eine Plattform bieten, um die alte hohe Kunst der Reitkunst neu und tiergerecht zu präsentieren und weiterzuentwickeln. Dies würde das Interesse an und Verständnis für eine respektvolle und traditionsreiche Reitweise fördern. Aktivitäten wie Konferenzen, Citizen-Science-Vorträge und Publikationen können dies unterstützen.
- In diesem Rahmen könnte auch das Sächsische Schwere Warmblut angemessen valorisiert und beworben werden.
- Förderung der Ausübung und Lehre der historischen Reitkunst durch die Gründung einer Reitschule/Reitakademie in Moritzburg auf höchstem Niveau (wie von UNESCO 2003er Konvention verlangt).
Ein Projekt, wie das obengenannte, erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Sächsischen und Sachsen-Anhaltinischen Denkmalschutzbehörden, den Sächsischen Kunstsammlungen (insbesondere Rüstkammer), Architekten, Historikern (TU Dresden) und Hippologen (ArtEquestre) sowie politischen Entscheidungsträgern.
Es wäre jedoch eine einzigartige Gelegenheit, die Geschichte und die kulturelle Bedeutung des Hofstalls, des Stallhofs und der Gestüte Bleesern, Merseburg, Moritzburg und Graditz zu kommunizieren, diese Stätten wiederzubeleben und gleichzeitig moderne Standards und ethische Grundsätze der Reitkunst und Pferdehaltung zu berücksichtigen.
Ortrere, Artequestre,
info@artequestre.org
[1.1] Die Welterbeliste wird nach dem 1972er Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes erstellt. Sie umfasst Denkmäler, Ensembles und Stätten sowie Naturgebilde, geologische und physiographische Erscheinungsformen und Naturstätten von außergewöhnlichem universellen Wert. Die Liste des immateriellen Kulturerbes wird nach dem UNESCO Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes von 2003 erstellt. Dresdens Elbtal war bereits in die Liste eingetragen wurde jedoch aufgrund des Baus einer Brücke wieder gestrichen.
[1.2] Um in die Representative Liste des Immateriellen Kulturerbes eingeschrieben zu werden, muss ein Staat nachweisen, dass ein Element die folgenden Kriterien erfüllt:
R.1 Das Element stellt immaterielles Kulturerbe dar, wie in Artikel 2 der Konvention definiert.
R.2 Die Eintragung wird dazu beitragen, die Sichtbarkeit und das Bewusstsein für die Bedeutung des immateriellen Kulturerbes zu gewährleisten und den Dialog zu fördern, wodurch die kulturelle Vielfalt weltweit reflektiert und die Kreativität des Menschen bezeugt wird.
R.3 Es sind Schutzmaßnahmen erarbeitet, die das Element schützen und fördern können.
R.4 Das Element wurde nach der breitestmöglichen Beteiligung der betroffenen Gemeinschaft, Gruppe oder gegebenenfalls Einzelpersonen und mit ihrer freien, vorherigen und informierten Zustimmung nominiert.
R.5 Das Element ist in einem Inventar des immateriellen Kulturerbes enthalten, das im Gebiet/den Gebieten des/der einreichenden Vertragsstaat(en) gemäß Artikel 11 und Artikel 12 der Konvention definiert ist.
[2] Cesare Fiaschi (geboren 1523 in Ferrara; gestorben nach dem Jahr 1570) war ein italienischer Reitmeister und einer der Begründer der akademischen klassischen Reitkunst.
[3] Federigo Grisone (* 1507; † 1570) war ein italienischer Reitmeister. Seine Reitlehre Ordini di Cavalcare erschien 1550 und war die erste Abhandlung über die klassische Reitkunst, die gedruckt wurde.
[4] Georg Engelhard(t) von Löhneysen, auch Löhneiß, Löhneyß, Löhneyßen (* 7. März 1552 in Witzlasreuth; † 1. Dezember 1622 in Remlingen) war ein Berghauptmann, Stallmeister, Verleger und Schriftsteller. Er war der Verfasser der Bücher „Die neu eröffnete Hof-, Kriegs- und Reitschul, 1588“; „Gründlicher Bericht des Zäumens und ordentliche Austeilung der Mundstücke und Stangen, 1588“ und „Cavalleria, Gründlicher Bericht von allem, was zu der Reiterei gehörig und einem Cavallier davon zu wissen gebührt, 1609“. Das darin enthaltene Wissen kam Großteils aus Italien. Löhneysen wurde bei mehreren seiner Bücher des Plagiats beschuldigt. Die Cavalleria ist Johan Georg von Sachsen gewidmet.
Siehe auch:
Horses, Curiosities, and the Culture of Collection at Early Modern Germanic Courts, December 2021 Renaissance Quarterly 74(4):1210-1259, DOI:10.1017/rqx.2021.200
Medici Gifts to the Court of Dresden, Barbara Marx, Johanna Bauman and Deborah Anne Bowen, Studies in the Decorative Arts, Vol. 15, No. 1 (Fall–Winter 2007–2008), pp. 46-82 (37 pages), Published By: The University of Chicago Press

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