Was ich hier schreibe, hat nichts mit edler Kunst oder ausgewogener Balance zu tun, sondern mit Pferde-Psychologie. Es ist weder elegant noch künstlerisch und aller Wahrscheinlichkeit wird der Leser ungefähr das gleiche Gesicht machen, wie die Zuschauer bei Kolumbus‘ Trick mit dem Ei.
Sie kennen das: Kolumbus soll nach seiner Rückkehr aus Amerika während eines Essens bei Kardinal Mendoza im Jahr 1493 vorgehalten worden sein, es sei ein Leichtes gewesen, die Neue Welt zu entdecken. Daraufhin verlangte Kolumbus von den anwesenden Personen, ein Ei auf der Spitze aufzustellen. Niemand schafft es. Daraufhin schlägt er sein Ei mit der Spitze auf den Tisch, so dass es eingedrückt wurde und stehen blieb. Als die Anwesenden protestieren, dass sie das auch gekonnt hätten, antwortete er: „Aber ich bin zuerst darauf gekommen.“
Hier also ist ein Pferde-Trick mit dem Ei, den mir die Chefin der Akademie Equestre in Versailles erzählt hat.
Sie hatte das Problem, dass ihre Soraya-Hengste (eine vom Aussterben bedrohte Rasse, die sie zu retten versucht), sich beim Sehen der anderen Hengste heftig in die Brust bissen. Ein typisches Hengstverhalten. Aber was tun, wenn die Hengste sich nur noch auf ihre Rivalitäten konzentrieren und es gefährlich wird?
Nach alter Stallmeistererfahrung nahm sie daraufhin eine Mehrzahl kleiner Netze (von Zitronen oder Zwiebeln), band ein paar rohe Eier hinein und legte sie dem Pferd um den Hals, so dass sie genau dort hingen, wo es sich immer in die Brust biss. Es kam, wie geplant: Beim nächsten wütenden Hengstbiss hatte das Pferd ein zerquetschtes rohes Ei im Maul. Und es hat zumindest in jener Reitstunde nicht mehr zu beißen gewagt.
Warum? Das Pferd hat wahrscheinlich gedacht, es hätte sich ernsthaft verletzt oder konnte sich zumindest keine Erklärung für diese eigenartige Flüssigkeit zwischen seinen Lippen geben. Und hat vorsichtshalber damit aufgehört, sich zu beißen.
Dasselbe funktioniert mit steigenden Pferden. Wenn das Pferd steigt, zerschlägt man ihm ein rohes Ei auf dem Kopf genau zwischen den Ohren. Das Ziel ist, das Pferd diese eigenartige matschige Flüssigkeit spüren zu lassen. Ich selbst habe das zum Glück noch nicht ausprobieren müssen, aber es soll hervorragend funktionieren. Das Pferd denkt anscheinend, es hätte sich gerade böse den Kopf geschlagen und wird daher mit dem Steigen aufhören. Und besser als das Pferd wirklich schlagen und verletzen ist es auf jeden Fall.

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