Seit Jahrzehnten wird das Pferd von Kulturhistorikern und Wissenschaftlern sträflich vernachlässigt. Obwohl es über Jahrtausende hinweg eine zentrale Rolle in der Entwicklung unserer Zivilisation gespielt hat, finden sich kaum fundierte Studien zur Geschichte des Reitens. Von einer Würdigung des Reitkulturerbes, das über die Vermarktung funktionierender Gestüte hinausgeht, kann keine Rede sein. Stattdessen werden historische Reithallen entkernt und in Restaurants oder Hochzeitslocations verwandelt – ein trauriges Zeugnis des schwindenden Respekts vor dem Pferd.
Noch schlimmer ist die systematische Verdrehung, Missrepräsentation oder gar Ablehnung der kulturhistorischen Bedeutung des Pferdes.
Der Palazzo Té in Mantua, einst der Prachtstall der Gonzaga, wird heute als bloßes Lustschlösschen abgetan. Der eindrucksvolle Kurfürstliche Stall in Dresden, ein Meisterwerk der Renaissance und erstes Museum der Welt, dient mittlerweile als Ausstellungsort für Automobile. Saumur wird als Repräsentation der französischen Reitlehre vermarktet. In Deutschland geht man sogar so weit, eine sogenannte „klassische Reitlehre“ als Kulturerbe bei der UNESCO anzumelden, ohne die entsprechende wissenschaftliche Dokumentation mit der Reitergemeinde zu teilen oder zu diskutieren. Diese Praxis isoliert die Reitkunst von ihrer wahren historischen Bedeutung und beraubt sie ihres Platzes in der Kulturgeschichte.
Hier setzt ArtEquestre an. Mit einer klaren Vision und wissenschaftlicher Akribie kämpft die Vereinigung für die Anerkennung der kulturhistorischen Bedeutung des Pferdes und den Schutz seines Kulturerbes.
ArtEquestre fordert, dass der Kurfürstliche Stall in Dresden restauriert und seinem ursprünglichen Zweck zurückgeführt wird. Es plädiert auch dafür, Pferde wieder auf die Heidecksburg sowie in die historischen Reithallen von Weimar und Zerbst zurückzubringen, wo sie einst als Herzstück der Reitkunst dienten. Rüstkammern sollten wieder als Beiwerk des Pferdes erkannt werden und nicht als Sammlung von kontextlosen Gegenständen.
Es geht ArtEquestre auch darum, das Pferd nicht nur als Sportgerät zu betrachten, sondern ihm die verdiente Achtung in Kunst, Geschichte und Gesellschaft zurückzugeben. Denn das Pferd war und ist mehr als ein Wettkampfteilnehmer – es ist ein kultureller Schatz, dessen Einfluss auf die Kunst, die Militärgeschichte und die gesellschaftliche Entwicklung tiefgreifend und unersetzlich ist. Es ist der Künstler der Reitkunst.
Es ist an der Zeit, das Pferd wieder als das erkennen, was es ist: Ein zentrales Element unserer kulturellen Identität, das Respekt und Anerkennung verdient. Die Arbeit von ArtEquestre soll ein Weckruf sein, diesen Schatz zu erforschen, zu schützen und gebührend zu würdigen.
