Pferde in aller Pracht – Der Maler Johann Georg von Hamilton

Die majestätischen Pferde in den Gemälden von Johann Georg von Hamilton sind eine barocke Pracht. Mit anmutigen Bewegungen und fülligen Kruppen verkörpern sie die Kraft und Eleganz, die für die damaligen Rassen so charakteristisch sind. Die Darstellung der mit Schleifen verzierten eingeflochtenen Mähnen, über-muskulösen Körper und ausdrucksvollen Gesichtszüge verleiht diesen Porträts des 18. Jahrhunderts eine ganz eigene, zeitlose Anziehungskraft.

Auch die sorgfältig gestalteten Satteldecken und die prächtige Ausstattung unterstreichen dabei nicht nur den königlichen Status der Tiere, sondern vervollständigen auch das ästhetische Gesamtbild, das den Betrachter in die faszinierende Welt der aristokratischen Reitkunst entführt.

Zumeist sind die Pferde in Sprüngen der höheren Schule abgebildet, was nicht nur ihr Können, sondern auch das ihrer Besitzer unterstreicht. Bescheidenheit ist keine Eigenheit des Barock.

Der Maler, Johann Georg de oder von Hamilton, war einer von drei Söhnen des Künstlers James Hamilton. Ursprünglich aus Schottland stammend, ließ sich James Hamilton bis 1688 mit seiner Familie in Brüssel nieder und etablierte sich als Maler von Stillleben.

Wie seine beiden Brüder – Philipp Ferdinand (um 1664-1750), der Hofmaler des Heiligen Römischen Kaisers Joseph I. wurde, und Karl Wilhelm de Hamilton, genannt ‚Thistle-Hamilton‘ (um 1668-1754) – verbrachte Johann Georg seine Karriere als Hofmaler in Mitteleuropa. Er zog 1689 nach Wien und kehrte nach einer Zeit in Deutschland, in der er für Prinz Adam Franz Karl von Schwarzenburg arbeitete, 1718 dorthin zurück. Neben Aufträgen für die Fürsten von Liechtenstein und Abbildungen der Pferde von Eisgrub (heute Lednice) wurde Johann Georg zu dieser Zeit zum Hofmaler von Joseph I.’s Nachfolger Karl VI. ernannt.

In dieser Funktion erlangte er den Beinamen ‚der Wiener Wootton‘, da er vor allem Pferde- und Jagdszenen malte. Besondere Aufmerksamkeit widmete er den Pferden des Kaisers, für die Karl VI. 1729 den Bau der Winterreitschule in Auftrag gab – bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Hengste in einer hölzernen Arena auf dem Josefplatz trainiert.

Mehrere weitere der von Hamilton abgebildeten Hengste wurden wahrscheinlich auf dem berühmten Eisgrub-Gestüt der Fürsten von Liechtenstein gezüchtet (heute Lednice, Böhmen). Zu bestimmten Zeiten beherbergten diese Ställe, die von Prinz Karl Eusebius (1611-1684) gegründet und später vergrößert wurden, bis zu 120 Hengste verschiedener Rassen, die in ganz Europa für ihren Gang, ihre langen Mähnen und Schweife und ihre ‚schönen Adlerschnäbel‘ (ein Erbe der Neapolitaner) bewundert wurden.

Interessant ist der Fokus der Bilder auf runde Formen und auffällige Farben. So findet man auffällig viele Schecken- und Creme-Färbungen.

Die reich bestickten Satteldecken, Kruppenüberwürfe und Kopfpütze, die in vielen der Bilder zu sehen sind, sind typisch für solche, die bei feierlichen Anlässen verwendet wurden, und spiegeln den hohen Status des Pferdes in der Welt der Aristokratie dieser Zeit wider. So war auch unter anderem im Marstall der sächsischen Fürsten jedes Pferd von einem Gemälde begleitet und einer von Hamiltons Brüdern starb auf Schloss Hubertusburg in Sachsen.

Auch die typische ‚Adlerschnabel-Nase‘ des Neapolitaners sieht man bei Hamilton immer wieder. Pferde aus Neapel waren damals neben den Spaniern die besten Europas. (Obwohl man Hamilton immer wieder in Verbindung mit den Lippizanern zitiert, malte er diese nie. Es gibt sie erst seit 1786.)

Ein Pferd scheint es dem Maler insbesondere angetan zu haben: Ein Creme-Hengst, den er in drei Ausfertigungen malte. Die ungewöhnliche Farbe, die durch ein Dilution-Gen entsteht war damals ausgesprochen selten.

Und wenn es der adelige Herr wollte, wurde er auch mit auf’s Pferd gemalt…

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