Die Spanische Hofreitschule in Wien lehrt die klassische Reitkunst in der Renaissancetradition der „Hohen Schule“ seit mehr als 450 Jahren. Sie sieht es als ihre Aufgabe, die natürlichen Bewegungsveranlagungen des Pferdes zu studieren und durch systematisches Training zu kultivieren.
Ihr Name geht auf das 16. Jahrhundert zurück, als der in Spanien aufgewachsene Ferdinand I., der spätere Kaiser, spanische Pferde von der iberischen Halbinsel an den Hof nach Wien mitbrachte. Die weißen Lipizzanerhengste, die heute an der Hofreitschule geritten werden, sind die Nachkommen dieser spanischen Pferderasse und entstanden aus einer Kreuzung von spanischen, arabischen und Berber-Pferden.
Die Stallburg, in der 72 der Hengste untergebracht sind, befindet sich in der Hofburg in der Innenstadt, nahe des Stephansplatzes und wurde 1565 erbaut.
Der Begriff „Hofreitschule“ erklärt sich daraus, dass ihr Besuch und die Nutzung vormals ausschließlich dem Adel vorbehalten war. Sie diente der Ausbildung und Schulung in der Reitkunst. Kaiser Karl VI gab die Halle als Winterreitschule bei Josef Emanuel Fischer von Erlach in Auftrag. Sie wurde zwischen 1729 und 1735 im Stil des Barock erbaut.
Während bis vor kurzem nur Männer in der Hofreitschule reiten durften, sind mittlerweile glücklicherweise auch Frauen unter den Reitern.
Die Pferde
An der Spanischen Hofreitschule werden ausschließlich Lipizzanerhengste ausgebildet. Neben Schimmeln werden auch immer ein oder zwei Braune als Glücksbringer aufgenommen. Unter den Bereitern herrscht die Meinung, „solange es einen Braunen an der Schule gibt, besteht die Spanische Hofreitschule“.
Der Lehrmeister und die Ausbildung
Die Bereiter richten sich nach den Lehren de la Guérinières.
Die Ausbildunggliedert sich in drei Stufen, wobei sich die einzelnen Stufen überschneiden können:
Remontenschule
Die Remontenschule beginnt im Alter von vier Jahren, wenn die Hengste nach Wien an die Hofreitschule kommen. Sie werden in den ersten Wochen in der Gruppe in der Winterreitschule frei bewegt, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Dann werden sie mit Sattel und Zaumzeug vertraut gemacht und für acht Wochen longiert, um denGehorsam zu verbessern, die Muskulatur zu kräftigen und das Tier auf das Gewicht des Reiters vorzubereiten. Danach wird auf geraden Linien im lockereren Arbeitstempo vorwärts geritten. Ziel sind das Errreichen dreier korrekter Grundgangarten, die gleichmäßige Anlehnung bei längerem Rahmen, das Geraderichten und der Gehorsam. Es wird mit Gerte aber ohne Sporen gearbeitet.
„Reite deinen Hengst vorwärts und richte ihn gerade!“
Campagneschule
Der Hengst ist nach mehr oder weniger einem Jahr in der ersten Stufe bereit für die Campagneschule, wobei das Tier das Tempo der Ausbildung bestimmt. Die Hengste werden jetzt erfahrenen Bereitern und Oberbereitern zur Ausbildung zugeteilt. Gelernt wird Versammlung, das Reiten von Wendungen und Zirkeln in allen drei Gangarten, Selbsthaltung, Losgelassenheit, Schub aus der Hinterhand und das Aufnehmen von Gewicht. Der Hengst lernt korrekte Stellung und Biegung im Seitengang und Tempounterschiede in allen drei Gangarten. Die Reaktion auf die Hilfen wird verfeinert. Es wird mit der Handarbeit begonnen und der Hengst wird an die Kandare gewöhnt. Die Campagneschule nimmt zwei Drittel der Ausbildung in Anspruch.
„Nimm dir Zeit, aber verschwende sie nicht!“
Hohe Schule
In der Hohen Schule bringt der Reiter sein Pferd zur Perfektion. In höchster Versammlung lernt der Hengst Piaffe, Passage, Galopppirouetten und Galoppwechsel von Sprung zu Sprung. Hengste, die sich dafür eignen, lernen die Schulsprünge wie Levade, Kapriole und Courbette. Der fertige Schulhengst bekommt am Ende dieser Ausbildungsstufe einen weißen Schulsattel und ein Goldzeug, und wird in der Vorstellung eingesetzt. Die Ausbildung dauert insgesamt 6 Jahre.
„Das Ziel der klassischen Reitkunst ist das Pferd schöner zu machen, und es so lange wie möglich gesund zu erhalten.“
Die Vorführungen stehen dem Publikum offen.
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